Schlacht um Holgoria
Willkommen im Reich von Holgoria
  Startseite
    Neue Kunde aus Holgoria
    MAKING OF & Interview
    Alternatives Ende Teil 1
    Leseprobe Teil 2
    Trailer Teil 3
  Über...
  Prolog
  Kapitel 1
  Kapitel 2
  Kapitel 3
  Kapitel 4
  Kapitel 5
  Kapitel 6
  Kapitel 7
  Kapitel 8
  Kapitel 9
  Kapitel 10
  Kapitel 11
  Kapitel 12
  Kapitel 13
  Kapitel 14
  Kapitel 15
  Kapitel 16
  Kapitel 17
  Kapitel 18
  Epilog
  Gästebuch

Wir sehen uns bei Teil 2 wieder: Blutbrueder !

http://myblog.de/schlacht-um-holgoria

Gratis bloggen bei
myblog.de





Kapitel 10: Sternenblut

 

Der Gewaltritt dauerte die ganze Nacht, für Trauer um unseren zauberkundigen Gefährten war also keine Zeit. Der mysteriöse Rote hetzte unsere Gruppe voran, bis die Pferde schäumend drohten, unter uns zusammenzubrechen.

Unsere Flucht führte über Steppe und Flur, über Stock und Stein, und als wir uns sicher sein konnten, dass wir die Emolyten endgültig los waren, hielten wir eine Rast. Niemand sprach ein Wort, was gab es schon zu reden? Dafür war der Proviant unseres Retters hundert Male besser als der Fraß, den Sven uns als Frühstück aufgetischt hatte. Erholt setzten wir unsere Reise fort, ungewiss der Ereignisse, die da unserer harrten. Alsbald aber erreichten wir bewaldetes Gebiet, und unser roter Anführer gemahnte uns zu höchster Vorsicht.

„Was ist denn dort vor uns?“ wollte der Abt wissen.

Der Rote antwortete, ohne dessen Blick zu begegnen, er ritt ruhig weiter während er sprach: „Wir erreichen nun den Phoenix Forrest, man nennt sie auch…“

„…die Wälder des Wahnsinns…“ beendete ich den Satz. „Mir sind diese Wälder wohl bekannt… doch nur aus meinen schlimmsten Alpträumen.“

„In der Tat“, stimmte der Ritter zu, „also seid vorsichtig, kommt nicht vom rechten Wege ab und… das ist am wichtigsten, richtet euren Blick gerade aus, denn im Dickicht lauert nichts als Tod und Verzweiflung.“

So durchquerten wir einen großen Teil des Waldes, und obwohl die Morgendämmerung längst vorbei war und die Sonne hoch am Himmel stand, war es als umgaben uns die Schatten der Nacht. Dazu kamen die Geräusche, die unser Ohr erreichten, von überall her, und es waren nicht die Laute, die man in einem Wald erwartet hätte: lustvolles Stöhnen, ein gar irrwitziges Kichern, Rufe von wildlebenden Frechdachsen, teils unmenschliche Todesschreie die etliche Male nachhallten, selbst der Wind schien keinen eigenen Willen zu haben.

Da fiel uns eine baufällige kleine Hütte auf einer nahen Lichtung auf, und der Rote drängte uns sofort in eine andere Richtung, fort davon. Der Abt hatte natürlich andere Pläne.

„Hallooooooooo, bei Licht und Li…“ er wurde mit einem Schlag des Reiters vom Sattel geputzt.

„Halts Maul, Narr!“

Sven rappelte sich langsam und benommen wieder auf. „Aua! Was soll das denn? Ich wollte doch nur…“

„Sei einfach still, Abt“ sagte ich. An den Edelmanne gewandt: „Wer haust denn dort, Herr? Jemand, der so gefährlich ist, dass wir dessen Haus so meiden müssen?“

Der Rote nickte nur und drängte uns weiter. „Dort wohnt die Hexe.“ Mehr sagte er nicht. Mehr brauchte er auch wohl nicht zu sagen, denn aus eigener Erfahrung konnte ich mit Fug und Recht sagen, dass die Gesellschaft derlei kirrer Weibsbilder kaum erstrebenswert zu nennen war.

 

Wir hielten erneut. Grund war diesmal ein Baum, der anders war als alles andere, was wir vorher sahen. Das mochte wohl in erster Linie daran liegen, dass er hellblau war. Babyblau, mochte der Barde wohl singen. So stand da also dieser große Baum in jener absonderlichen Farbe. Die Neugier packte mich, ich saß ab von meinem Ross und ging dem Stamm entgegen. Da erwachte das Holz zum Leben, und die Rinde formte rasch und unter Gnarzen und Krachen ein schlichtes aber sympathisches Gesicht, und es sprach: „Hallöchen.“

Irritiert standen wir da. Hallöchen? „Was seid Ihr, Herr Baum?“

„Hallöchen, ich bin das Bäumchen. Und ich weiß wer ihr seid, und ich weiß, wohin euch der Weg führt. Ich bin der-Geist-der-Bäumchen.“

Sven sprang aus dem Sattel und fiel dem Stamm und den… Hals. „Ich mag dich irgendwie!“

„Ich dich auch. Jetzt lass mich wieder los, Abt Sven.“ Er schüttelte sich und es erging ein Regen aus Blättern über uns. „Entschuldigt. Hihi.“

„So sag uns, weiser Geist-der-Bäumchen, wohin ziehen wir?“

Der Baum überlegte kurz, dann sagte er: „Der weiße Zauberer war hier. Ihr werdet ihn treffen. Er wird wissen was zu tun ist. Ihr entschuldigt mich, ich muss zu meiner täglichen Photosynthese.“ Damit wurde der Stamm wieder zum Stamm, das Gesicht verschwand, unter Gnarzen und Krachen.

Wir wechselten ratlose Blicke und ritten weiter, unbewusst dessen, was Photosynthese sein sollte.

 

Kurz bevor wir die Wälder verließen und wir am Horizont die nächste Ortschaft ausmachten, veränderte sich etwas. Der Horizont verfinsterte sich mit einem Male, und erneut wurden wir zur Vorsicht gemahnt. Es hieß, die Hexe hatte uns ins Auge gefasst, und wir bedachten unseren geistlichen Gefährten mit mehr als nur einem bösen Blick.

„Seid geschwind,“ wisperte der Rote, „ihr Zauber darf uns nicht blenden, sonst ist es um uns geschehen.“

Mein Griff wanderte zum Schwert des toten Spaniers, Sven wimmerte mal wieder ein Stoßgebet gen Licht und Liebe, und auch der Ritter zog seine Klinge.

Da geschah etwas Unerwartetes. Ein Licht, heller als alles was wir kannten, raubte uns die Sicht, und als wir wieder sehn konnten, stand dort…

„Sabber!“

Sabber Gandalf. In weißer Robe, mit einem mächtigen Zauberstock und … einem Taschentuch um den Hals!

„So kehre ich zu euch zurück, meine Freunde. Am Wendepunkt der Gezeiten.“ So feierten wir ein kurzes, jedoch freudiges Wiedersehen. Wir tauschten unsere Geschichten.

Unser Gefährte fiel in den Abgrund, doch es war nicht das Ende. Er wandelte zwischen den Sternen, ohne Gefühl und Zeit, er sah Bilder von einem schiefen Tisch, auf dem Magie Figuren verschob, von irren Fratzen und blutigen Schlachten, er erblickte blitzende Klingen und donnernde Heere… und wurde schließlich hierher zurück geschickt.

 

„Und was jetzt?“ fragte der Rote, der sich uns inzwischen als Chrix X vorgestellt hatte, an den Zauberer gewandt.

„Da wir unklare Verhältnisse in der Hängemattenburg haben, schlage ich vor, wir suchen den einzig verbliebenen Machthaber auf, der noch halbwegs bei Verstand.“

„Wer soll das sein, Sabber?“

Er grinste übers ganze Gesicht, es galt wohl Sven als er sagte: „Papst Holger der Erste, in der Heiligen Roten Zitadelle!“ Er rief sein magisches Taschentuchpferd, und so brachen wir frischen Mutes auf, die Wälder des Wahnsinns hinter uns lassend.

 

Was wir nicht sahen, waren die vielen funkelnden Augenpaare im Unterholz, deren Blicke uns unentwegt folgten… und die blutroten Sternschnuppen am Firmament…




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung